Kinder-Optometrie

Augenuntersuchungen ab dem Kleinkindalter

Durch frühzeitige Untersuchungen werden mögliche Beeinträchtigungen erkannt und behoben, um eine optimale Entwicklung des Sehens zu ermöglichen und zu fördern. Die Kinderoptometrie beschäftigt sich mit der Messung von Sehfunktionen und der Korrektion von Sehschwächen bei Kindern. Unser Ziel ist eine optimale Sehentwicklung für Ihr Kind!

Wie entwickelt sich das Sehen im Kindesalter?

Kinder werden nicht mit voll ausgereiften Augen geboren. Der größte Teil entwickelt sich innerhalb des ersten Lebensjahres und ist erst nach dem 10. Lebensjahr abgeschlossen.

 

Funktionsentwicklung:

    • Bis zum 3. Lebensmonat besteht lediglich ein grobes, vorwiegend dem Bewegungssehen dienendes Sehvermögen.
    • Ab dem 3.-4. Lebensmonat entwickelt sich erst die feinere zentrale Sehschärfe, Farb- und Mustererkennung sowie feines räumliches Sehen.

Sehschärfe:

    • Zum Zeitpunkt der Geburt besteht nur eine sehr geringe Sehschärfe (feine Details, kleine Objekte, Bilder etc. werden noch nicht erkannt).
    • In den ersten drei Lebensmonaten ist ein deutlicher Anstieg der Sehschärfe zu beobachten.
    • Erst gegen Ende des 4. Lebensjahres erreicht die Sehschärfe einen Visus von 1,00, welcher häufig als 100% bezeichnet wird.

Naheinstellung:

    • Neugeborene sind nicht zur Naheinstellung fähig (Akkommodation). Der Nahpunkt, also der nahgelegenste Punkt, der noch „scharf“ gesehen werden kann liegt etwa 20cm vor dem Gesicht. Daher bitte nicht näher heran gehen, denn das Spielzeug wird sonst unscharf gesehen.
    • Erst ab dem 6. Monat ist eine Naheinstellung möglich.

Farbsehen:

    • Neugeborene können noch keine Farben wahrnehmen. Der Lernprozess beginnt etwas ab der 7. Lebenswoche. Davor wird nur hell/dunkel, bzw. schwarz/weiß erkannt.
    • Das Farbensehen wird zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat erlernt.
    • Im 6. Monat kann Farbensehen nachgewiesen werden. Es werden rote und grüne Objekte anderen Farben vorgezogen.

Die Entwicklung des Sehens geschieht im Kindesalter

Der wesentliche Teil unseres visuellen Systems entwickelt sich vom ersten Lebenstag bis zum siebten Lebensjahr. In diesen Phasen ist es besonders wichtig, dass gerade das Zusammenspiel beider Augen, in der Fachsprache Binokulares Sehen genannt, erlernt wird und gelingt. Studien haben nachgewiesen, dass selbst die „U-Untersuchungen“ der Kinderarztpraxen bezüglich des Sehens der Kinder leider nicht ausreichend sind, um Auffälligkeiten zu erkennen und dementsprechend zu versorgen. Visuelle Defizite, wie ein sogenanntes verstecktes Schielen oder unterschiedliche Brechwerte beider Augen zueinander, können zur Unterdrückung (Suppression) eines Auges führen und die Sehfähigkeit Ihres Kindes vermindern. Regelmäßige Kontrollen bei Spezialisten für Augengesundheit (Kinderoptometristen, Orthoptisten oder Augenärzten) sind wichtig, da nur sie in der Lage sind alle Sehfunktionen wie Sehschärfe, Sehstärke, Farbsehen, Kontrastsehen, beidäugiges Sehen und Augenbewegungen zu kontrollieren und fachlich zu beurteilen.

 
  • 0-1 Monat

     

    aller Anfang ist schwer

    • Neugeborene können nur mit einem Auge abwechselnd und nur kurzzeitig fixieren

    • Schaut zu Lichtquellen, dreht Augen und „Blinzeln“ als Abwehrreaktion

    • Aufnahme von Augenkontakt

    • Langsame und ruckartige horizontale Folgebewegungen

  • 2-3 Monat

     

    erste Erfolge

    • Intensiver Augenkontakt

    • Interesse an „Lippen lesen“

    • Interesse an bewegten Objekten, Menschen und Tieren.

    • vertikale Folgebewegungen

    • parallelstand der Augen sollte mit dem 3. Lebensmonat ständig erreicht sein

  • 4-6 Monat

     

    Die Welt entdecken

    • Beobachten der eigenen Hand

    • Greifen nach bewegten Objekten

    • Beobachten des Fallens und Wegrollens von Objekten

    • beginnende Abkopplung der Augenbewegung von den Kopfbewegungen

    • glatte Augenfolgebewegungen

    • Erkennen von Gesichtern, auch in verschiedene Posen desselben Gesichtes

  • 7-10 Monat

     

    Große Erfolge

    • Bemerken/Erkennen von kleinen Objekten wie z.B. Brotkrümmel

    • Berührung von und später auch greifen nach stationären Objekten

    • Interesse an Bildern

    • Erkennen von teilweise verdeckten Objekten

    • Augenkontakt mit Erwachsenen über mehrere Meter Distanz

  • 11-12 Monat

     

    Viel gelernt in einem Jahr

    • gute visuelle Orientierung in gewohnter Umgebung zu Hause

    • Schaut durch das Fenster und erkennt andere Menschen

    • visuelles Wiedererkennen von Bildern und Versteck spielen

    • genaues Betrachten und Untersuchen von Objekten

    • effiziente visuelle Kommunikation mit Mimik und Gestik

 

Wann sollte das Sehen eines Kindes untersucht werden?

  • Die erste Augenuntersuchung soll neben den U-Untersuchungen in den ersten beiden Lebensjahren erfolgen. Wenn Sehfehler der Eltern bekannt sind, empfiehlt sich die erste Untersuchung spätestens um den 9. Lebensmonat.
  • Die zweite Untersuchung empfiehlt sich mit 2,5 bis 3 Jahren.
  • Eine dritte Untersuchung sollte vor der Einschulung erfolgen.
 
 

Regelmäßige Kontrollen sind wichtig!

Gutes Sehen muss spätestens zur Einschulung eines jeden Kindes sichergestellt sein. Regelmäßige Kontrollen im Abstand von zwei Jahren oder bei erkennbaren Auffälligkeiten nach Absprache mit dem Spezialisten sind ausreichend, um eine gute Versorgung zu gewährleisten.

Wer kann diese Untersuchungen durchführen?

  • Kinderoptometristen

Kinderoptometristen sind Ihr Ansprechpartner, wenn es darum geht die Funktion des visuellen Systems zu kontrollieren und das Kind mit entsprechenden Sehhilfen zu versorgen. Termine sind meist kurzfristig vereinbar und Sie erhalten eine gute Einschätzung zur Leistung des visuellen Systems, dank umfangreicher Messungen durch den Kinderoptometristen.

  • Orthoptisten und Augenärzte

Augenärzte untersuchen die Kinderaugen auf medizinische Auffälligkeiten. Orthoptisten arbeiten immer bei Augenärzten und führen dort die Sehschule. Sie untersuchen ebenfalls die Sehleistung der Kinderaugen. Häufig wird die Untersuchung unter speziellen schmerzfreien Augentropfen durchgeführt. Die Tropfen erweitern die Pupille und verhindern eine Naheinstellung der Augen (Akkommodation), so dass ein zuverlässiges Ergebnis beim Sehtest erzielt werden kann. Ihr Kind wird durch die geweitete Pupille lediglich für ein paar Stunden blendempfindlicher sein.

Kinderoptometristen und Orthoptisten arbeiten eng zusammen, um eine optimale Versorgung Ihres Kindes zu gewährleisten.

Die Sehstärke werden anfangs mit mithilfe eines sogenannten Skiaskops objektiv gemessen, sodass auch eine Brillenglasbestimmung bei sehr kleinen Kindern oder Babys erfolgen kann. Später werden dann spezielle Kindersehteste durchgeführt.

 

Jedes Kind kann getestet werden – egal wie alt!

Es gibt verschiedenste objektive und subjektive Testverfahren, die es spielerisch ermöglichen die Sehfunktionen von Kindern zu messen. Das Skiaskop gehört dabei zu einem der wichtigsten Hilfsmittel. Das kleine, handliche Gerät wirft Licht in das zu untersuchende Auge, welches reflektiert und vom Untersucher interpretiert wird. Durch Vorhalten verschiedener Gläser ist so recht schnell die Sehstärke eines Kindes bestimmt, ohne dass es dafür mit dem Untersucher kommunizieren muss.

Für Babys bewährten sich in der Praxis die LEA-Gratings. Eine gräuliche Kelle und eine Kelle mit einem Gitter werden horizontal in unterschiedliche Richtungen bewegt. Das Baby wird mehr Bewegungen bei der Kelle mit dem Gitter wahrnehmen und dort hinschauen. Durch diese Untersuchung kann auch schon bei einem Baby die Sehleistung ermittelt werden.

Für Kleinkinder ab 2 Jahren eignen sich LEA-Sehzeichen. Diese sind so geformt, dass sie bei Unschärfe eher als Kreis wahrgenommen werden. Auch die sogenannten Kolt-Sehzeichen, die ein Plus, Kreis, Dreieck und Viereck darstellen eignen sich gut in der Praxis. Sobald die Kinder in der Lage sind zu kommunizieren kann mithilfe dieser Sehzeichen auch das 3D-Sehen gemessen werden.

Mithilfe eines Okluders (Abdeckkelle) kann eine Schielstellung der Augen aufgedeckt werden. Hierbei wird ein Auge mit diesem Okluder abgedeckt. Beim Aufdecken kann ein erfahrener Untersucher die Augenbewegungen einschätzen.

Um die Augenbewegung bzw. Mobilität der Augen einzuschätzen wird das Kind gebeten ein Objekt zu fixieren. Beim Bewegen in unterschiedliche Richtungen vor dem Auge sollte das Kind dem Objekt mit beiden Augen gleichmäßig folgen können.

Es gibt weitere Testverfahren. Generell werden die Tests schmerzfrei und spielerisch durch den Spezialisten durchgeführt.

 

Woran erkenne ich ob mein Kind eingeschränkt sieht?

Kinder beklagen sich in der Regel nicht über schlechtes Sehen, da sie schlicht nicht realisieren, dass sie die Umwelt anders wahrnehmen. Für sie ist das der normale Seheindruck. Sie können ihre Sehschwächen sehr gut kompensieren. Deshalb sind Beeinträchtigungen des Sehens für Eltern und Erziehende oft nur schwer zu erkennen. Vor allem da man Probleme nicht immer direkt mit dem Sehen in Verbindung bringt. Ein beeinträchtigtes Sehen kann u.a. zu Unruhe und Konzentrationsschwäche bei der Naharbeit führen. Das Lesen fällt dem Kind dann über einen längeren Zeitraum schwer und macht keinen Spaß. Buchstaben werden nicht gerade in die Zeile geschrieben. Zahlen verdreht. Das Schneiden mit einer Schere ist schwierig. Aber auch schon vor der Schulzeit gibt es gewisse Verhaltensweisen, die als Hinweise auf Sehprobleme gedeutet werden können. Läuft ein Kind etwa oft gegen Ecken und stößt sich an Kanten, stolpert es gar viel oder greift häufiger mal vorbei. Ist ein Kind außerordentlich schüchtern, reagiert eher auf Zuruf und läuft nicht gerne herum. Am Tisch sitzend ist der „Zappelphilipp“ unentspannt und gar gelangweilt, weil er schlicht nichts zu gucken hat. All das können Anzeichen sein. Bitte sprechen Sie auch solche Auffälligkeiten bei allen Untersuchungen beim Kinderarzt an. Ein Augenarzt, Orthoptist oder Kinderoptometrist klärt diese Fragen bereits vorab in einem ausführlichen Gespräch.