Für Patienten und Kontaktlinsenträger/innen

VDCO e.V. Vereinigung deutscher Contactlinsenspezialisten und Optometristen

Hallo und willkommen,

wir sind die Vereinigung Deutscher Contactlinsen-Spezialisten und Optometristen (VDCO e.V.). Wir sind eine fachwissenschaftliche Vereinigung der Optometristen und Kontaktlinsen-Spezialisten im deutschsprachigen Raum.

Obwohl wir in unseren Kernaufgaben in erster Linie der Berufspolitik sowie der Fortbildung der Spezialisten der Optometrie verpflichtet sind, erreichen uns zunehmend Fragen von Kontaktlinsenträger/innen oder Fragen zur Augengesundheit. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, Ihnen die Antworten als unabhängiges Organ zur Verfügung zu stellen.

Hier finden Sie wissenschaftlich basierende Informationen, rund um die Gesundhaltung Ihrer Augen. Wir versuchen diese Seite in Zukunft wachsen zu lassen, um Ihnen eine Antwort auf Ihre Frage geben zu können. Gern helfen wir Ihnen auch dabei einen kompetenten Ansprechpartner/in in Ihrer Region zu finden, egal ob es um die Anpassung spezieller Kontaktlinsen, um Themen der Optometrie oder um einen Kontakt zu Betroffenengruppen geht.

Konnten Sie die gewünschte Information nicht finden? Dann schicken Sie uns doch bitte eine kurze Nachricht. Wir versuchen diese Seite aktiv weiterzuentwickeln.

Ihr Thema wurde nicht behandelt? Senden Sie uns eine Nachricht.

Die richtige Kontaktlinsenpflege

Moderne Kontaktlinsenpflege ist ausgesprochen einfach. Kontaktlinsenpflegemittel müssen individuell auf Auge, Menge und Qualität des Tränenfilms und das Kontaktlinsenmaterial abgestimmt sein. Wichtig ist, dass Sie die empfohlenen Pflegeschritte immer einhalten.

Durch falsche Kontaktlinsenpflege können Ihre Kontaktlinsen beschädigt werden. Um eine optimale Verträglichkeit Ihrer Kontaktlinsen und somit Sicherheit für die Gesunderhaltung Ihrer Augen sicherzustellen, ist eine perfekte Pflege unverzichtbar. Vor einem Wechsel der Pflegemittel fragen Sie immer Ihren Kontaktlinsen-Spezialisten. Die Verwendung eines nicht auf Ihren Tränenfilm oder Ihr Kontaktlinsenmaterial abgestimmtes Produkt kann zu Unverträglichkeiten oder zur Beschädigung der Kontaktlinse führen, sowie den Tragekomfort negativ beeinflussen.

Gründliches Händewaschen

Ihre Kontaktlinsenpflege beginnt mit dem gründlichen Händewaschen. Händewaschen spielt eine zentrale Rolle bei der Kontaktlinsenhygiene. Eine Vielzahl von Keimen wird durch die eigene Haut auf die Kontaktlinse übertragen. Vor jeder Handhabung Ihrer Kontaktlinsen müssen Sie sich gründlich und ausreichend lange die Hände mit Wasser und Seife waschen und anschließend mit einem sauberen und fusselfreien Papiertuch abtrocknen.

Die Pflege von weichen und formstabilen Kontaktlinsen ähnelt sich, unterscheidet sich jedoch in entscheidenden Punkten. Klicken Sie daher bitte auf die Kontaktlinsenart zu der Sie nähere Informationen zur Pflege erhalten möchten.

Fünf Pflegeschritte – und Ihre weichen Kontaktlinsen sind optimal gepflegt!

1. Reinigung

Abhängig von Ihren Bedürfnissen ist eine Reinigung Ihrer weichen Kontaktlinsen nach jedem Tragen unbedingt notwendig. Durch eine manuelle Reinigung in Ihrer Hand, mit Ihrem Pflegemittel, werden bereits über 90% der Rückstände auf Ihrer Kontaktlinse entfernt, wie z.B. Fette, die aus dem Tränenfilm stammen, Bakterien, Viren sowie Kosmetikarückstände und Pollen. Sie legen hierzu die Kontaktlinse auf eine Ihrer Handinnenflächen. Tragen einige Tropfen von Ihrer Reinigungslösung auf die Kontaktlinse und reiben diese ohne großen Druck, mit dem Zeige- oder Mittelfinger der anderen Hand, vorsichtig von der Mitte über den Rand der Kontaktlinse. Sie können die Kontaktlinse auch zwischen Daumen und Zeigefinder nehmen und vorsichtig reinigen. Dieser Vorgang reduziert deutlich die Anzahl der Keime auf der Kontaktlinse schon bevor Sie die Desinfektion starten.

2. Desinfektion

Die Desinfektion ist der wichtigste Schritt in der Kontaktlinsenhygiene. Sie macht Ihre Kontaktlinse frei von Krankheitserregern und reduziert damit das Risiko einer Infektion. Weiche Kontaktlinsen müssen täglich gründlich desinfiziert werden. Sogenannte Kombi-Lösungen können Sie sowohl für die Oberflächenreinigung als auch für die Desinfektion und Aufbewahrung Ihrer Kontaktlinsen nutzen. Die Kontaktlinsen müssen je nach Hersteller mindestens 6h in der Kombi-Lösung aufbewahrt werden. Eine ebenso sichere und schnelle Desinfektion für weiche Kontaktlinsen wird durch Wasserstoff-Peroxid-Systeme erreicht. Zeitgemäße Peroxid-Systeme benötigen nur noch einen einzigen Pflegeschritt und sind somit sehr praktikabel und wenig zeitaufwändig.

Achtung! Bitte verwenden Sie niemals Pflegemittel für formstabile Kontaktlinsen für die Pflege Ihrer weichen Kontaktlinsen und umgekehrt!

3. Aufbewahrung

Wenn Sie Ihre Kontaktlinsen nicht tragen, müssen diese sicher in einem Kontaktlinsenbehälter aufbewahrt werden. Beachten Sie bitte genau die Anleitung zu Ihrem Pflegesystem und fragen auch hierzu Ihren Kontaktlinsen-Spezialisten, wie lange Ihre Kontaktlinsen mit Ihrem Pflegesystem aufbewahrt werden können!
Bitte nutzen Sie zur Aufbewahrung Ihrer Kontaktlinsen stets frische Desinfektionslösung und tauschen Sie regelmäßig den Kontaktlinsenbehälter aus.

4. Proteinentfernung

Einmal wöchentlich sollte eine Proteinentfernung durchgeführt werden, um die Eiweißbeläge von der Kontaktlinse zu entfernen. Das Entfernen der Ablagerungen gewährleistet ein problemloses Kontaktlinsentragen und sichert die notwendige Sauerstoffversorgung Ihrer Augen.

5. Nachbenetzung

Bei manchen Tätigkeiten (z.B. längeres Autofahren, Bildschirmarbeit und Arbeiten in klimatisierten Räumen) oder sehr langen täglichen Tragezeiten, kann das Tragen Ihrer Kontaktlinsen unangenehm werden. Hier helfen kurzfristig Nachbenetzungslösungen, damit Ihre Kontaktlinsen wieder angenehm auf dem Auge sitzen. Falls Sie allerdings länger andauernde Beschwerden haben, sollten Sie unbedingt Ihren Kontaktlinsen-Spezialisten aufsuchen.

Der Kontaktlinsenbehälter

Zur Kontaktlinsenpflege gehört auch die Hygiene des Kontaktlinsenbehälters. Auch ihm muss größtmögliche Aufmerksamkeit geschenkt werden. Der Kontaktlinsenbehälter stellt eine vorteilhafte Umgebung für Bakterien und Keime dar (feucht und warm). Reinigen Sie Ihren Kontaktlinsenbehälter nach jeder Verwendung. Im Anschluss nach dem Aufsetzen Ihrer Kontaktlinsen folgt die gründliche Behälterreinigung.

Bitte nutzen Sie dafür Ihr Pflegemittel und KEIN fließendes Wasser. Der Kontaktlinsenbehälter sollte im Inneren mit der Desinfektionslösung und einem Finger ausgerieben werden. Bitte reiben und spülen Sie auch den Rand und den Deckel des Behälters gründlich mit der Lösung ab. Anschließend muss der Behälter mit einem sauberen, fusselfreien Papiertuch abgetrocknet werden und sollte dann offen und auf dem Kopf gedreht auf einem neuen Stück Papiertuch gelagert werden. Bitte achten Sie darauf, dass der Behälter während des Kontaktlinsentragens nicht mit Wasser, Partikeln von Haarspray oder ähnlichen Produkten verunreinig wird.
Bitte wechseln Sie Ihren Kontaktlinsenbehälter mit jeder neuen Kontaktlinse, spätestens jedoch alle 3 Monate.

Kontaktlinsen und Allergien – ein sensibles Thema

Der Kontakt mit Substanzen, auf die unser Körper allergisch reagieren könnte, wie z.B. mit Konservierungsstoffen, sollte wenn möglich vermieden werden. Die moderne Kontaktlinsenhygiene bietet daher als Beitrag zur Gesunderhaltung Ihrer Augen Kontaktlinsenpflegemittel und Nachbenetzungstropfen ohne Konservierungsstoffe.

Achtung:  Regelmäßige Nachkontrollen sind unbedingt notwendig!

Nach der Anpassungsphase Ihrer Kontaktlinsen, in der häufige Kontrollen unverzichtbar sind, sollten Sie zur regelmäßigen Nachkontrolle zu Ihrem Kontaktlinsen-Spezialisten gehen.

Wie oft sollten Sie zur Nachkontrolle, wenn nicht anders Empfohlen?
weiche Kontaktlinsen alle 6 Monate
formstabile Kontaktlinsen einmal pro Jahr

Achtung: Bitte diese Kontrollen auch dann einhalten, wenn Sie keine Beschwerden haben, Veränderungen am Auge laufen für Sie unbemerkt ab. Durch das konsequente Einhalten der Kontrolltermine können unvorhergesehene Komplikationen rechtzeitig erkannt und dauerhafte Schäden vermieden werden! Bringen Sie zur Nachkontrolle auch Ihren Kontaktlinsenbehälter und Ihre Pflegemittel mit.


Bei Problemen mit Ihren Augen oder Kontaktlinsen suchen Sie bitte
umgehend Ihren Kontaktlinsen–Spezialisten auf.

Bitte nicht vergessen:

Vor dem Berühren der Kontaktlinsen immer Hände gründlich mit Seife waschen!

  • Verwenden Sie immer die von Ihrem Kontaktlinsen-Spezialisten empfohlenen Pflegemittel!
  • Bitte beachten Sie genau die Gebrauchsanweisung Ihres Pflegesystems!
  • Verwenden Sie die Aufbewahrungslösungen nie mehrmals!
  • Niemals Leitungswasser zum Abspülen der Kontaktlinsen oder des Kontaktlinsenbehälters verwenden!
  • Falls Unverträglichkeiten auftreten oder Sie Fragen zu Ihren Kontaktlinsen haben – Ihr Kontaktlinsen-Spezialist wird Sie mit seinem Fachwissen richtig beraten!

Viel Spaß mit Ihren Kontaktlinsen!

Unser Ziel: Ihre Zufriedenheit

Weltweit tragen ca. 77 Millionen Menschen Kontaktlinsen.

Die richtige Pflege und die Dienstleistung des Kontaktlinsen verordnenden und anpassenden Optometristen sind die Voraussetzung für langfristig sicheres und erfolgreiches Tragen.

Was ist ein Keratokonus?

Der Keratokonus ist eine seltene, krankhafte Veränderung der Hornhaut des Auges. Dabei wölbt sich die Hornhaut kegelförmig nach vorn. Dies führt zu einer verringerten Hornhautdicke im Zentrum der Vorwölbung und zur Abnahme der Stabilität der Hornhaut. Die im Normalfall gleichmäßige Hornhaut wird zunehmend unregelmäßig bzw. uneben.

Eine solche Veränderung der Hornhaut führt zu einem schlechtem Sehen am Tag und in der Nacht. Die durch den Keratokonus verursachte Fehlsichtigkeit des Auges, lässt sich nur in den frühen Phasen dieser Erkrankung gut mit Brillengläsern ausgleichen. Ist der Keratokonus bereits fortgeschritten,  hilft eine Brille nur noch unzureichend und spezielle Kontaktlinsen kommen zum Einsatz. Diese ermöglichen ein optimales Sehen und steigern Ihr Lebensgefühl.

Der Keratokonus tritt häufig beidäugig auf, seltener ist nur ein Auge betroffen. Typischerweise tritt er im Teenageralter in Erscheinung und manifestiert sich um das 45. Lebensjahr. Die durch den Keratokonus hervorgerufenen Veränderungen der Hornhaut verlaufen oftmals in Schüben. Betroffene berichten häufig von starker Lichtempfindlichkeit und damit verbundenem vermehrten Tränenfluss während eines aktiven Schubes.

Keratokonus und Kontaktlinsen

– das Beste, was Sie für Ihr gutes Sehen machen können!

Die Zeit ist gekommen, dass Ihr Sehen mit Brille für Sie nicht mehr ausreichend ist? Dann bringen formstabile Kontaktlinsen Verbesserung! Kontaktlinsen sind die erste Wahl, um Ihr Sehen bei einem Keratokonus zu verbessern.
Ihre individuell gefertigte Kontaktlinse kann die unregelmäßige Form Ihrer Hornhaut ausgleichen. Dies wird durch die Tränenflüssigkeit möglich, die sich unter der Kontaktlinse befindet. Zusätzlich korrigiert die Kontaktlinse die Fehlsichtigkeit Ihrer Augen. Diese beiden Eigenschaften ermöglichen es Ihnen, besser zu sehen.

Dennoch ist es von äußerster Wichtigkeit, eine aktuelle Ersatzbrille zu besitzen. Es gibt Situationen im alltäglichen Leben, die das Tragen von Kontaktlinsen vorübergehend ausschließen können. In diesem Fall ist es wichtig, auf eine Brille zurückgreifen zu können.

Eine finanzielle Unterstützung bieten Ihnen viele der gesetzlichen Krankenkassen mit einem Zuschuss für Ihre speziellen Kontaktlinsen bei Keratokonus.

Gutes Sehen beibehalten!

Ihr Kontaktlinsen-Spezialist muss den Sitz Ihrer Kontaktlinsen, den Zustand Ihrer Hornhäute und der Kontaktlinsen alle sechs Monate kontrollieren, denn Ihr Auge verändert sich und Ihre Kontaktlinsen müssen der aktuellen Situation angepasst werden.

Die Kontaktlinsen-Versorgung bei Keratokonus stellt höchste Ansprüche an die Erfahrung und das Können Ihres Kontaktlinsen-Spezialisten. Ihr Kontaktlinsen-Spezialist erfüllt diese Aufgabe für Sie mit großem Engagement.

Weiter informationen finden Sie bspw. hier:
(externe Webseite, die VDCO übernimmt keine Haftung für die Inhalte)

Plötzlich ist die Schrift auf dem Handy nicht mehr lesbar, die Arme werden immer „länger“…

Lesebrille war gestern

Wo hab‘ ich denn bloß meine Lesebrille?

Mit 45 Jahren – die einen früher, die anderen später, aber irgendwann, kennt sie jeder: die „Alterssichtigkeit“. Die Alterssichtigkeit, fachlich Presbyopie, bezeichnet recht uncharmant, was vollkommen natürlich ist. Plötzlich ist die Schrift nicht mehr lesbar, die Arme werden immer „länger“, z. B. beim Lesen von Lebensmittelinhaltsstoffen, einer Speisekarte, Zeitschriften, Büchern und Handys.

Richtig: Sie sind nicht alt, Sie werden nur älter und Sie stehen mitten im Leben! Der galante Weg dies unter Beweis zu stellen, ist statt eine Lesebrille zu tragen, die richtige Kontaktlinse.

Die Freiheit, so jung zu sein, wie Sie sich fühlen

Mehrstärken- oder multifokale Kontaktlinsen bieten, ähnlich wie Gleitsichtgläser, von nah bis fern eine klare Sicht – gänzlich unsichtbar, praktisch und komfortabel. Ob Sport, Shoppen, Gärtnern oder Computerarbeit – Mehrstärken-Kontaktlinsen ermöglichen ein komfortables Sehgefühl für verschiedene Lebensbereiche.

Kann jeder Mehrstärken–Kontaktlinsen tragen?

Auf dem Gebiet der Mehrstärken-Kontaktlinsen wurden gerade in jüngster Vergangenheit zahlreiche Konzepte entwickelt, die auf ganz neuen Erkenntnissen über das Zusammenwirken von Auge und Kontaktlinse beruhen. Mehrstärken-Kontaktlinsen gibt es in einer Vielzahl von Korrektionsstärken. Durch die nie dagewesene Vielfalt der Materialien und Systeme können die verschiedenartigsten Ansprüche an Kontaktlinsen erfüllt werden.

Welche Mehrstärken-Kontaktlinsen gibt es?
Es gibt eine unübersichtliche Vielzahl verschiedener Mehrstärken-Kontaktlinsen. Diese unterschieden sich in Ihrem Aufbau, im Material oder in der Fertigungstechnik und haben jeweils eigene Stärken. Es gibt somit nicht “die beste Kontaktlinse”. In den letzten Jahren wurden vermehrt Mehrstärken-Kontaktlinsen entwickelt, welche verschiedene Aufbauten sogar kombinieren und sehr stark für Sie individualisiert werden können. Die zwei Grundkonzepte einer Mehrstärkenkontaktlinse und einen Besonderen Kontaktlinsenaufbau stellen wir Ihnen im folgenden vor.

Welcher Linsentyp für Sie persönlich der Beste ist, finden Sie am besten zusammen mit Ihrem Kontaktlinsen-Spezialisten heraus.

alternierende formstabile Zweistärken-Kontaktlinsen

Dieser Kontaktlinsentyp besitzt zwei Bereiche; im Ersten befindet sich Ihre Stärke für die Ferne, im anderen Ihre Stärke für die Nähe. Wenn Sie lesen senken Sie die Augen und rutschen damit ganz automatisch in den Bereich der Kontaktlinse in dem sich Ihre Nahsehstärke befindet. Damit die Kontaktlinse richtig auf Ihrem Auge sitzt ist eine Art “Gewicht” eingebaut. Dieses Verhindert, dass Ihre Kontaktlinse sich verdreht. Interessanterweise funktioniert es auch, wenn Sie einen Kopfstand machen sollten, denn Ihre Augenlider positionieren die Kontaktlinse korrekt auf Ihrem Auge und nicht die Schwerkraft. Je nach Kontaktlinsentyp und Hersteller sind die Übergänge zwischen den Bereichen fließend oder Abrupt, die Größe der einzelnen Bereiche variiert und kann häufig auf Sie persönlich angepasst werden. Die Form und Position der Bereiche für Ferne und Nähe können sich unterscheiden.

Mehrstärken-Kontaktlinsen nach dem Prinzip der Gleitsichtgläser

Bei einer solchen Kontaktlinse, welche sich den bekannten Gleitsichtgläsern orientiert, befindet sich der Fernbereich meistens zentral vor der Pupille. Von da aus verstärkt sich der Brechwert in der Kontaktlinse zum Randbereich hin, bis die Gewünschte Nahsehstärke erreicht ist. Ein “Gewicht” entfällt bei diesem Kontaktlinsentyp meistens da sie einen Ringförmigen Aufbau besitzt. Die Funktion dieses Kontaktlinsentyps basiert sowohl darauf, dass die Linse beim lesen auf dem Auge ein wenig verrutscht, als auch darauf, dass die Pupille sich vergrößert wenn Sie lesen. Haben Sie das gewusst?

Simultane Zweistärken – Kontaktlinsen

Die simultanen Zweistärken-Kontaktlinse unterschiedet sich von den zuvor beschriebenen Linsen sehr stak. Das besondere ist, dass Ihre Fern- und Nahwerte (manchmal auch Zwischenwerte) Ringförmig angeordnet sind. Sie schauen also gleichzeitig durch viele Verschiedene kleine Lesebrillen und Fernbrillen. Je nach Hersteller und Kontaktlinsentyp kann die Sehstärke im Zentrum der Kontaktlinse bestimmt werden oder aber ein Schwerkunkt auf das Sehen in der Ferne oder Nähe gelegt werden.

Entscheidend für den Erfolg mit Mehrstärken-Kontaktlinsen:
Das Können des Spezialisten, Ihre Mitarbeit und Ihre Motivation.

Natürlich erfordert die Anpassung von Mehrstärken-Kontaktlinsen sehr viel Erfahrung, eine moderne technische Ausstattung sowie ein stets aktueller, fachlicher Wissensstand auf internationalem Niveau.

Soweit es durch Messungen, Berechnungen und Erfahrungswerte möglich ist, ermitteln Ihr Kontaktlinsen-Spezialist/in die für Sie am besten geeignete Kontaktlinse. Die letzten Feinheiten jedoch ergeben sich erst durch die Praxis – im Tagesablauf bei Ihnen zu Hause. Aus Ihren Beobachtungen und den wiederholten Messungen kann Ihr Kontaktlinsen-Spezialist zuverlässig erkennen, ob der Wechsel auf eine andere Kontaktlinse Ihren Ansprüchen noch besser gerecht werden kann.

Sie sehen: Sie riskieren nichts, Sie müssen nur ein wenig Geduld aufbringen (mehrere Anpasstermine sind nötig) und die Bereitschaft zur Teamarbeit mit Ihrem Kontaktlinsen-Spezialisten. Auf das erfolgreiche Ergebnis können Sie dann stolz sein, denn Sie haben maßgeblich daran mitgewirkt.

Orthokeratologie – die Fehlsichtigkeit während des Schlafens korrigieren

Orthokeratologie (Ortho-K) ist ein Verfahren, bei dem die Hornhautform gezielt mit speziell dafür gefertigten Kontaktlinsen geändert wird. Dies bewirkt eine vorübergehende, reversible Korrektion der Fehlsichtigkeit.


Geschichte der Orthokeratologie

George Jessen versuchte bereits in den 60´er Jahren als einer der Ersten mit seiner Technik „Orthofocus“ eine formverändernde Kontaktlinse anzupassen, um eine Korrektion der Fehlsichtigkeit zu realisieren. Mit der Einführung neuer Fertigungstechniken und Untersuchungsgeräten, wie dem Keratographen, konnte die Methode nachvollzogen und zunehmend erforscht werden und fand somit weltweit eine Vielzahl von Befürwortern. 1994 wurde die erste Ortho-K-Kontaktlinse von der amerikanischen FDA (Food an Drug Administration) zugelassen. Diese wurde zunächst nur am Tag getragen, allerdings mit mäßigem Erfolg. Durch die Entwicklung hochgasdurchlässiger Materialien wurde 2002 das Tragen dieser Kontaktlinsen über Nacht möglich. Seit dem werden stabile und zuverlässige Korrektionen erzielt. Heute ist die Orthokeratologie eine etablierte und sehr sichere Form des Kontaktlinsentragens.

Funktionsweise der Orthokeratologie-Kontaktlinsen

Die Ortho-K-Kontaktlinsen werden individuell gefertigt und formen die Hornhaut im Schlaf, um im Alltag gut zu sehen – ganz ohne Brille oder Kontaktlinsen. Bei der Orthokeratologie werden sich die Eigenschaften der Hornhaut zunutze gemacht. Die Kontaktlinsen modellieren präzise die Form der Hornhaut während der Schlafenszeit. Abhängig von der Höhe des zu korrigierenden Sehfehlers, wird eine vollständige Korrektur nach 3-12 Nächten erreicht. Nach zwei bis vier Wochen ist das gute Sehen den ganzen Tag über stabil. Nach dieser erfolgreichen Eintragephase, gibt es keinen Moment der Unschärfe mehr. Bei sehr weiten Pupillen können unter Umständen Lichtbrechungen auftreten, die es vorab nicht gab. Diese gilt es zu vermeiden, was nicht immer möglich ist, sich aber nicht für alle Träger*innen als störend erweist.

Tagsüber die neue Freiheit des Sehens ohne Brille oder Kontaktlinsen erleben

Diese Art der Korrektion ist im Gegensatz zu einem chirurgischen Eingriff nicht invasiv und reversibel. Werden die Ortho-K-Kontaktlinsen nicht mehr getragen, geht die Hornhaut bereits nach den ersten Nächten ohne Kontaktlinsen in ihre ursprüngliche Form zurück. Ein Verlust der Kontaktlinse tagsüber ist ausgeschlossen, da sie beim Schlafen getragen werden. Dennoch ist es notwendig, als Ersatz immer eine Brille zu haben, denn es kann einige Tage dauern, bis Sie Ihre neue individuell gefertigte Kontaktlinse erhalten.

Wie wird die Ortho-K durchgeführt?

Die Erstanpassung von Ortho-K-Kontaktlinsen ist aufwendiger als eine Anpassung für Kontaktlinsen zum Tagestragen. Für eine sichere, effektive und verantwortungsvolle Anpassung ist folgendes Vorgehen notwendig:

  • Anamnese
  • Untersuchung und Vermessung der Augen, um zu beurteilen, ob das Tragen von Kontaktlinsen aus medizinischer und physiologischer Sicht grundsätzlich möglich ist
  • Aufklärung zur Handhabung
  • Kontrolle am Morgen nach dem ersten Tragen über Nacht
  • weitere engmaschige Kontrollen in der Eintragephase bis die Sehleistung tagsüber stabil ist
  • regelmäßige viertel- bis halbjährliche Kontrollen
  • Kontaktlinsenaustausch nach einem Jahr

In der Eintragephase können zur Optimierung der Sehleistung tagsüber auch weiche Ein-Tages-Kontaktlinsen getragen werden. Bereits nach der ersten Nacht verbessert sich Ihr Sehen merklich.

Wie jede Kontaktlinse muss auch die Ortho-K-Kontaktlinse nach einem festgelegten Intervall ausgetauscht werden, um die dauerhafte Gesundheit Ihrer Augen sicher zu stellen. Nur durch einen regelmäßigen Austausch kann die Versorgung der Hornhaut mit Sauerstoff gewährleistet und die bestmögliche Korrektur Ihrer Fehlsichtigkeit mit den Kontaktlinsen erreicht werden. Die Ortho-K-Kontaktlinsen müssen einmal im Jahr ausgetauscht werden. Die Eigenschaften Ihrer Kontaktlinsen bleiben somit optimal.


Kann ich diese Kontaktlinsen auch im Internet bestellen?

Nein! Ortho-K-Kontaktlinsen können nicht über das Internet erworben werden. Die Kontaktlinsen gehören zu den anspruchsvollsten Kontaktlinsen der Welt. Sie werden individuell, nach Ihren Augen gefertigt. Für jede neue Bestellung benötigt es eine neue Vermessung Ihrer Hornhautform.

Wer kann Ortho-K nutzen?

Die Anpassung einer Ortho-K-Kontaktlinse ist sehr komplex. Die hier aufgeführten Indikationen sind nur Richtungswerte. Ob Ortho-K für Sie geeignet ist, kann nur Ihr Kontaktlinsen-Spezialist ermitteln. Sollten die allgemeinen sowie optischen Indikationen nicht auf Sie zutreffen, sprechen Sie bitte Ihren Kontaktlinsen-Spezialisten auf eine mögliche Anwendung von Ortho-K-Kontaktlinsen an.

  • Ortho-K ist für Kurzsichtige bis ca. 5 Dioptrien Fehlsichtigkeit und einer Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) bis ca. 2,5 Dioptrien geeignet*
  • Ortho-K dient als Maßnahme zur Myopieprävention bei Schulkindern

Ob Ortho-K-Kontaktlinsen für Sie die richtige Wahl ist, kann Ihr Kontaktlinsen-Spezialist nach einer gründlichen Untersuchung Ihrer Augen beurteilen.

Ortho-K für Kinder

Eine erfolgreiche Maßnahme, um die Kurzsichtigkeit (auch Myopie genannt) bei Kindern zu kontrollieren, ist die Orthokeratologie. Das Verfahren korrigiert nicht nur die Fehlsichtigkeit, sondern es kann auch zu einem deutlich geringeren Anstieg der Kurzsichtigkeit bei Kindern führen, indem es anders als eine Brille das Augenlängenwachstum begrenzt. Der rasche Anstieg der Kurzsichtigkeit bei Kindern liegt in einem zu schnellen Längenwachstum des Augapfels begründet. Ein kurzsichtiges Auge ist länger als ein rechtsichtiges Auge. Beginnt die Kurzsichtigkeit nun bereits im Kindesalter ist durch das Wachstum eine weitere Steigerung zu erwarten.

Verschiedene Studien weltweit zeigen eine deutliche Verlangsamung des Anstiegs der individuellen Kurzsichtigkeit bei Kindern durch die Korrektion mit Ortho-K-Kontaktlinsen. Das Längenwachstum der Augen wird durch die spezielle Optik auf der Hornhaut gebremst oder sogar gestoppt.

Ortho-K-Kontaktlinsen können stets unter Beobachtung der Eltern angewendet werden, da sie erst abends vor dem Schlafen gehen, aufgesetzt und morgens nach dem Aufstehen wieder abgesetzt werden. Das Verlustrisiko ist somit sehr gering und das Kind im Alltag kontaktlinsen- und im Allgemeinen auch brillenfrei.

Was ist noch wichtig?

Pflege von Ortho-K-Kontaktlinsen

Die Kontaktlinsen und der Kontaktlinsenbehälter müssen nach jedem Gebrauch entsprechend den Empfehlungen des Kontaktlinsen-Spezialisten und ausschließlich mit dem Ihnen empfohlenen Pflegemittel gereinigt werden.

Autofahren und Ortho-K-Kontaktlinsen

Werden nachts die Ortho-K-Kontaktlinsen getragen und Sie fahren tagsüber Auto, sollten Sie stets einen entsprechenden Nachweis mit sich führen. Im Falle einer polizeilichen Kontrolle können Sie sich so als Ortho-K-Kontaktlinsenträger*in ausweisen. Dieser Nachweis ist dann notwendig, wenn im Führerschein vermerkt ist, dass zum Führen eines Fahrzeugs eine Brille oder Kontaktlinsen benötigt werden.

Nur qualifizierte Kontaktlinsen-Spezialisten, die auf diesem Gebiet eine Weiterbildung absolviert haben und mit speziellen, sehr exakten Messverfahren (z.B. computergesteuerte Hornhaut-Topographie) arbeiten, können eine qualitativ hochwertige Ortho-K-Kontaktlinsen-Anpassung durchführen.

Kontaktlinsen für Kinder – Weichenstellung für den Lebenslauf

Können Kinder Kontaktlinsen tragen?

Ja, auch Kinder können Kontaktlinsen tragen. Schon Babys und Kleinkindern werden, unter bestimmten Voraussetzungen, Kontaktlinsen angepasst. Eine wichtige Rolle für den Erfolg der Anpassung spielt die Motivation des Kindes. Ist Ihr Kind aufgeschlossen und interessiert, wird es auch sehr schnell und gut mit Kontaktlinsen zurechtkommen. Bei guter Verträglichkeit und korrektem Umgang mit den Kontaktlinsen kann Ihr Kind diese über viele Jahre hinweg tragen. Mit etwa 2 Jahren ist die physiologische Entwicklung des Auges abgeschlossen. Die Kontaktlinsen werden folgend überwiegend an die sich verändernde Fehlsichtigkeit Ihres Kindes angeglichen, wie bei einer Brille.

Können Kinder mit Kontaktlinsen umgehen?

Kleinkinder bis zu 6 Jahren benötigen noch die Unterstützung ihrer Eltern zum Erlernen des korrekten Umgangs mit ihren Kontaktlinsen, wie z. B. das Auf- und Absetzen und die Pflege. Kinder im Schulalter werden von ihrem Kontaktlinsenspezialisten in die richtige Handhabung und Pflege eingewiesen. Es ist so selbstverständlich wie das Zähneputzen; eine Weile müssen die Eltern auf die ordnungsgemäße Handhabung achten, bis es zur festen Gewohnheit geworden ist. Erfahrungsgemäß pflegen Kinder ihre Kontaktlinsen sehr gut, da die Pflege völlig unkompliziert ist und schnell zur täglichen Routine wird.

Welche Kontaktlinsen gibt es?

Kinder können grundsätzlich weiche und formstabile (harte) Kontaktlinsen tragen. Welche Kontaktlinse für Ihr Kind optimal ist, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu zählen die Korrektionswerte, die Form und Größe der Hornhaut des Auges, der Tränenfilm, wo und für welche Tätigkeiten sowie wie oft und lange die Kontaktlinsen getragen werden. Mit Kontaktlinsen können Weitsichtigkeiten, Kurzsichtigkeiten und Hornhautverkrümmungen ausgeglichen werden. Ihr Kontaktlinsen-Spezialist berät und entscheidet nach umfangreichen Messungen, welche Kontaktlinse die am besten geeignete für Ihr Kind ist.

Wie Kinder Ihre Kontaktlinsen-Anpassung erleben?

Die Anpassung von Kontaktlinsen beim Optometristen erfolgt ohne Anwendung von pupillenerweiternden Augentropfen und ohne Berührung der Augen. Die Kinder sind an den vielfältigen Messungen und Untersuchungen stets sehr interessiert und beteiligen sich aktiv an der Anpassung. Nach der Kontaktlinsenanpassung erhält Ihr Kind die neuen Kontaktlinsen zum Probetragen. Erst wenn Ihr Kontaktlinsen-Spezialist sicher ist, die optimale Lösung für Ihr Kind gefunden zu haben, werden die passenden Kontaktlinsen angefertigt. Es gilt nur ein Grundsatz: Die Gesundheit der Augen Ihres Kindes hat die höchste Priorität!

Wichtig! Regelmäßige Kontrollen

Die Augen Ihres Kindes und ebenso die Kontaktlinsen müssen regelmäßig kontrolliert und untersucht werden. Dadurch wird sichergestellt, dass die Augen, auch während des Tragens von Kontaktlinsengesund, gesund bleiben sowie die Kontaktlinsen und das Pflegemittel gut vertragen werden. Je nach Art der Kontaktlinse muss ein regelmäßiger Austausch erfolgen. Das kann täglich bis ein Mal jährlich sein.

Kontaktlinsen sind so gut, wie der Spezialist, der sie anpasst:

Wie können Sie wissen, dass Ihr Kind in guten Händen ist, wenn Sie die Kontaktlinsen-Spezialisten noch nicht kennen? Auf eine fachliche Qualifikation verweist das VDCO Signet. Mitglieder der Vereinigung Deutscher Contactlinsen-Spezialisten und Optometristen haben ein qualifiziertes Fachwissen. Damit und mit ihrer Erfahrung, haben Mitglieder der VDCO die bestmöglichen Voraussetzungen, die individuellen Ansprüche der kleinen und großen Patienten zu erfüllen.

Augenuntersuchungen ab dem Kleinkindalter

Durch frühzeitige Untersuchungen werden mögliche Beeinträchtigungen erkannt und behoben, um eine optimale Entwicklung des Sehens zu ermöglichen und zu fördern. Die Kinderoptometrie beschäftigt sich mit der Messung von Sehfunktionen und der Korrektion von Sehschwächen bei Kindern. Unser Ziel ist eine optimale Sehentwicklung für Ihr Kind!

Wie entwickelt sich das Sehen im Kindesalter?

Kinder werden nicht mit voll ausgereiften Augen geboren. Der größte Teil entwickelt sich innerhalb des ersten Lebensjahres und ist erst nach dem 10. Lebensjahr abgeschlossen.

Funktionsentwicklung:

    • Bis zum 3. Lebensmonat besteht lediglich ein grobes, vorwiegend dem Bewegungssehen dienendes Sehvermögen.
    • Ab dem 3.-4. Lebensmonat entwickelt sich erst die feinere zentrale Sehschärfe, Farb- und Mustererkennung sowie feines räumliches Sehen.

Sehschärfe:

    • Zum Zeitpunkt der Geburt besteht nur eine sehr geringe Sehschärfe (feine Details, kleine Objekte, Bilder etc. werden noch nicht erkannt).
    • In den ersten drei Lebensmonaten ist ein deutlicher Anstieg der Sehschärfe zu beobachten.
    • Erst gegen Ende des 4. Lebensjahres erreicht die Sehschärfe einen Visus von 1,00, welcher häufig als 100% bezeichnet wird.

Naheinstellung:

    • Neugeborene sind nicht zur Naheinstellung fähig (Akkommodation). Der Nahpunkt, also der nahgelegenste Punkt, der noch “scharf” gesehen werden kann liegt etwa 20cm vor dem Gesicht. Daher bitte nicht näher heran gehen, denn das Spielzeug wird sonst unscharf gesehen.
    • Erst ab dem 6. Monat ist eine Naheinstellung möglich.

Farbsehen:

    • Neugeborene können noch keine Farben wahrnehmen. Der Lernprozess beginnt etwas ab der 7. Lebenswoche. Davor wird nur hell/dunkel, bzw. schwarz/weiß erkannt.
    • Das Farbensehen wird zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat erlernt.
    • Im 6. Monat kann Farbensehen nachgewiesen werden. Es werden rote und grüne Objekte anderen Farben vorgezogen.

Die Entwicklung des Sehens geschieht im Kindesalter

Der wesentliche Teil unseres visuellen Systems entwickelt sich vom ersten Lebenstag bis zum siebten Lebensjahr. In diesen Phasen ist es besonders wichtig, dass gerade das Zusammenspiel beider Augen, in der Fachsprache Binokulares Sehen genannt, erlernt wird und gelingt. Studien haben nachgewiesen, dass selbst die „U-Untersuchungen“ der Kinderarztpraxen bezüglich des Sehens der Kinder leider nicht ausreichend sind, um Auffälligkeiten zu erkennen und dementsprechend zu versorgen. Visuelle Defizite, wie ein sogenanntes verstecktes Schielen oder unterschiedliche Brechwerte beider Augen zueinander, können zur Unterdrückung (Suppression) eines Auges führen und die Sehfähigkeit Ihres Kindes vermindern. Regelmäßige Kontrollen bei Spezialisten für Augengesundheit (Kinderoptometristen, Orthoptisten oder Augenärzten) sind wichtig, da nur sie in der Lage sind alle Sehfunktionen wie Sehschärfe, Sehstärke, Farbsehen, Kontrastsehen, beidäugiges Sehen und Augenbewegungen zu kontrollieren und fachlich zu beurteilen.

  • 0-1 Monat

    aller Anfang ist schwer

    • Neugeborene können nur mit einem Auge abwechselnd und nur kurzzeitig fixieren

    • Schaut zu Lichtquellen, dreht Augen und „Blinzeln“ als Abwehrreaktion

    • Aufnahme von Augenkontakt

    • Langsame und ruckartige horizontale Folgebewegungen

  • 2-3 Monat

    erste Erfolge

    • Intensiver Augenkontakt

    • Interesse an „Lippen lesen“

    • Interesse an bewegten Objekten, Menschen und Tieren.

    • vertikale Folgebewegungen

    • parallelstand der Augen sollte mit dem 3. Lebensmonat ständig erreicht sein

  • 4-6 Monat

    Die Welt entdecken

    • Beobachten der eigenen Hand

    • Greifen nach bewegten Objekten

    • Beobachten des Fallens und Wegrollens von Objekten

    • beginnende Abkopplung der Augenbewegung von den Kopfbewegungen

    • glatte Augenfolgebewegungen

    • Erkennen von Gesichtern, auch in verschiedene Posen desselben Gesichtes

  • 7-10 Monat

    Große Erfolge

    • Bemerken/Erkennen von kleinen Objekten wie z.B. Brotkrümmel

    • Berührung von und später auch greifen nach stationären Objekten

    • Interesse an Bildern

    • Erkennen von teilweise verdeckten Objekten

    • Augenkontakt mit Erwachsenen über mehrere Meter Distanz

  • 11-12 Monat

    Viel gelernt in einem Jahr

    • gute visuelle Orientierung in gewohnter Umgebung zu Hause

    • Schaut durch das Fenster und erkennt andere Menschen

    • visuelles Wiedererkennen von Bildern und Versteck spielen

    • genaues Betrachten und Untersuchen von Objekten

    • effiziente visuelle Kommunikation mit Mimik und Gestik

Wann sollte das Sehen eines Kindes untersucht werden?

  • Die erste Augenuntersuchung soll neben den U-Untersuchungen in den ersten beiden Lebensjahren erfolgen. Wenn Sehfehler der Eltern bekannt sind, empfiehlt sich die erste Untersuchung spätestens um den 9. Lebensmonat.
  • Die zweite Untersuchung empfiehlt sich mit 2,5 bis 3 Jahren.
  • Eine dritte Untersuchung sollte vor der Einschulung erfolgen.

Regelmäßige Kontrollen sind wichtig!

Gutes Sehen muss spätestens zur Einschulung eines jeden Kindes sichergestellt sein. Regelmäßige Kontrollen im Abstand von zwei Jahren oder bei erkennbaren Auffälligkeiten nach Absprache mit dem Spezialisten sind ausreichend, um eine gute Versorgung zu gewährleisten.

Wer kann diese Untersuchungen durchführen?

  • Kinderoptometristen

Kinderoptometristen sind Ihr Ansprechpartner, wenn es darum geht die Funktion des visuellen Systems zu kontrollieren und das Kind mit entsprechenden Sehhilfen zu versorgen. Termine sind meist kurzfristig vereinbar und Sie erhalten eine gute Einschätzung zur Leistung des visuellen Systems, dank umfangreicher Messungen durch den Kinderoptometristen.

  • Orthoptisten und Augenärzte

Augenärzte untersuchen die Kinderaugen auf medizinische Auffälligkeiten. Orthoptisten arbeiten immer bei Augenärzten und führen dort die Sehschule. Sie untersuchen ebenfalls die Sehleistung der Kinderaugen. Häufig wird die Untersuchung unter speziellen schmerzfreien Augentropfen durchgeführt. Die Tropfen erweitern die Pupille und verhindern eine Naheinstellung der Augen (Akkommodation), so dass ein zuverlässiges Ergebnis beim Sehtest erzielt werden kann. Ihr Kind wird durch die geweitete Pupille lediglich für ein paar Stunden blendempfindlicher sein.


Kinderoptometristen und Orthoptisten arbeiten eng zusammen, um eine optimale Versorgung Ihres Kindes zu gewährleisten.

Die Sehstärke werden anfangs mit mithilfe eines sogenannten Skiaskops objektiv gemessen, sodass auch eine Brillenglasbestimmung bei sehr kleinen Kindern oder Babys erfolgen kann. Später werden dann spezielle Kindersehteste durchgeführt.

Jedes Kind kann getestet werden – egal wie alt!

Es gibt verschiedenste objektive und subjektive Testverfahren, die es spielerisch ermöglichen die Sehfunktionen von Kindern zu messen. Das Skiaskop gehört dabei zu einem der wichtigsten Hilfsmittel. Das kleine, handliche Gerät wirft Licht in das zu untersuchende Auge, welches reflektiert und vom Untersucher interpretiert wird. Durch Vorhalten verschiedener Gläser ist so recht schnell die Sehstärke eines Kindes bestimmt, ohne dass es dafür mit dem Untersucher kommunizieren muss.

Für Babys bewährten sich in der Praxis die LEA-Gratings. Eine gräuliche Kelle und eine Kelle mit einem Gitter werden horizontal in unterschiedliche Richtungen bewegt. Das Baby wird mehr Bewegungen bei der Kelle mit dem Gitter wahrnehmen und dort hinschauen. Durch diese Untersuchung kann auch schon bei einem Baby die Sehleistung ermittelt werden.

Für Kleinkinder ab 2 Jahren eignen sich LEA-Sehzeichen. Diese sind so geformt, dass sie bei Unschärfe eher als Kreis wahrgenommen werden. Auch die sogenannten Kolt-Sehzeichen, die ein Plus, Kreis, Dreieck und Viereck darstellen eignen sich gut in der Praxis. Sobald die Kinder in der Lage sind zu kommunizieren kann mithilfe dieser Sehzeichen auch das 3D-Sehen gemessen werden.

Mithilfe eines Okluders (Abdeckkelle) kann eine Schielstellung der Augen aufgedeckt werden. Hierbei wird ein Auge mit diesem Okluder abgedeckt. Beim Aufdecken kann ein erfahrener Untersucher die Augenbewegungen einschätzen.

Um die Augenbewegung bzw. Mobilität der Augen einzuschätzen wird das Kind gebeten ein Objekt zu fixieren. Beim Bewegen in unterschiedliche Richtungen vor dem Auge sollte das Kind dem Objekt mit beiden Augen gleichmäßig folgen können.

Es gibt weitere Testverfahren. Generell werden die Tests schmerzfrei und spielerisch durch den Spezialisten durchgeführt.

Woran erkenne ich ob mein Kind eingeschränkt sieht?

Kinder beklagen sich in der Regel nicht über schlechtes Sehen, da sie schlicht nicht realisieren, dass sie die Umwelt anders wahrnehmen. Für sie ist das der normale Seheindruck. Sie können ihre Sehschwächen sehr gut kompensieren. Deshalb sind Beeinträchtigungen des Sehens für Eltern und Erziehende oft nur schwer zu erkennen. Vor allem da man Probleme nicht immer direkt mit dem Sehen in Verbindung bringt. Ein beeinträchtigtes Sehen kann u.a. zu Unruhe und Konzentrationsschwäche bei der Naharbeit führen. Das Lesen fällt dem Kind dann über einen längeren Zeitraum schwer und macht keinen Spaß. Buchstaben werden nicht gerade in die Zeile geschrieben. Zahlen verdreht. Das Schneiden mit einer Schere ist schwierig. Aber auch schon vor der Schulzeit gibt es gewisse Verhaltensweisen, die als Hinweise auf Sehprobleme gedeutet werden können. Läuft ein Kind etwa oft gegen Ecken und stößt sich an Kanten, stolpert es gar viel oder greift häufiger mal vorbei. Ist ein Kind außerordentlich schüchtern, reagiert eher auf Zuruf und läuft nicht gerne herum. Am Tisch sitzend ist der „Zappelphilipp“ unentspannt und gar gelangweilt, weil er schlicht nichts zu gucken hat. All das können Anzeichen sein. Bitte sprechen Sie auch solche Auffälligkeiten bei allen Untersuchungen beim Kinderarzt an. Ein Augenarzt, Orthoptist oder Kinderoptometrist klärt diese Fragen bereits vorab in einem ausführlichen Gespräch.