In einer an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) im Fachbereich Elektrotechnik – Mechatronik – Optometrie durchgeführten Studie wurden die mit Aufsetzlupen erreichbaren Vergrößerungen für einen Entfernungsbereich (Abstand Lupe-Auge) von 30 cm bis 2 cm und der dabei notwendige Nahzusatz bestimmt. Untersucht wurden in der Studie 31 Aufsetzlupen der Firmen Eschenbach Optik GmbH und A. SCHWEIZER GmbH.
In einem aufwendigen Verfahren wurde mit Hilfe einer analogen Spiegelreflexkamera der Abbildungsmaßstab und die Lage des Lupenbildes von 31 Aufsetzlupen auf der optischen Bank bestimmt. Hieraus wurde die erreichbare Vergrößerung als Funktion des Abstandes Lupe-Auge errechnet. Aus der Lage des Lupenbildes konnte darüber hinaus unter der Berücksichtigung der Entfernung Lupe-Auge der jeweilige notwendige Nahzusatz bestimmt werden.
Als Ergebnis zeigte sich, dass jede Aufsetzlupe einen individuellen Vergrößerungsbereich besitzt und der notwendige Nahzusatz auf die Nutzungsentfernung abgestimmt werden muss.
Des Weiteren zeigte sich, dass die Vergrößerungsangabe auf der Lupe oder im Katalog, welche in der Regel auf der Annahme beruht, dass mit der Lupe die Normalvergrößerung oder sogar die Handelsvergrößerung erreicht wird, von dem in der Studie ermittelten Wert abweicht. So betrug die erreichte Vergrößerung der getesteten Aussetzlupen bei einer bequemen Entfernung von 30 cm nur 44 % bis 70 % der sogenannten Normalvergrößerung. Erst bei einer starken Annäherung an die Lupe konnten Vergrößerungen erreicht werden, welche der Normalvergrößerung entsprechen oder sogar höher sind.
Als Fazit schreiben die Autoren, dass die gezielte Anwendung von Aufsetzlupen sich dadurch vereinfachen lässt, wenn die Hersteller den Low-Vision-Spezialisten zusätzliche Daten wie den Abbildungsmaßstab und die Entfernung des Lupenbildes angeben würden, wodurch sich für jede Nutzungsentfernung die tatsächliche Vergrößerung sowie der passende Nahzusatz einfacher abschätzen ließe.
Die vollständige Studie wurde in der Ausgabe 2, 2026 des fachwissenschaftlichen Peer-Reviewed Journals „Optometry & Contact Lenses (OCL)“ der Vereinigung Deutscher Contactlinsen-Spezialisten und Optometristen (VDCO) publiziert.
[1] Schabbing, K., Pawlak, A., von Handorff, C. (2026). Vergrößerung von Aufsetzlupen. Optom. Contact Lenses, Vol. 6, Issue 2, 92-102.
http://ocl-online.de/en/magnifications-stand-magnifiers
Weitere Artikel der Ausgabe April-Juni 2026:
- Limbusreaktion nach Sklerallinsenanpassung – Tom Luis Platten, Sebastian Golczyk, Horst Drexel, Werner Eisenbarth
- Biostatistik in Ophthalmologie und Optometrie: Eine Artikelserie zur Unterstützung evidenzbasierter Entscheidungsprozesse – Teil 3 – Daniela Oehring
- Retrospektive Studie zur Einflussnahme des Tragens von Orthokeratologielinsen auf objektive Tränenfilmparameter – Sarah Lea Nielsen, Sylvia Wulf, Wolfgang Sickenberger
- Sklerallinsen bei atopischer Dermatitis und Sicca-Syndrom – Theresa Wilhelm-Kreipl, Andreas Wilhelm
- Rezidivierende Herpes-zoster-Keratitis – Harriette Canellos, Evan Canellos, Christina Canellos
- Verlauf der retikulären Dystrophie des retinalen Pigmentepithels – Wolfgang Cagnolati
Optometry & Contact Lenses (OCL) ist das Mitteilungsorgan der Vereinigung Deutscher Contactlinsenspezialisten und Optometristen e.V. (VDCO).
OCL veröffentlicht wissenschaftliche und klinische Fachartikel sowie Kasuistiken aus den Fachgebieten Augenoptik, Optometrie, Ophthalmologie und benachbarte Disziplinen. Darüber hinaus publiziert OCL Interviews mit bekannten Persönlichkeiten der Fachgebiete, Buchrezensionen sowie Verbandsinformationen der VDCO.
Jede OCL Ausgabe beinhaltet darüber hinaus die Rubrik „COE zertifizierte Fortbildung“. Hierbei handelt es sich um einen zertifizierten fachlichen Beitrag, für welchen die Leser*innen Weiterbildungspunkte“ erhalten können. Jeder Fachartikel durchläuft vor der Publikation einen Peer-Review-Prozess.





